Meldepflicht virale Hühnerkrankheiten

 

Virenkrankheiten bei Hühnern erkennen

Zu den meldepflichtigen Hühnerseuchen gehören neben der aggressiven Form der Vogelgrippe die Mareck-Krankheit, die Newcastle-Krankheit, die Infektiöse Bursitis, der Hühnerpockenvirus und die Infektiöse Laryngotracheitis. Da die Regelungen sich in verschiedenen Ländern unterscheiden oder wie mit der Vogelgrippe auch neue meldepflichtige Hühnerseuchen hinzu kommen, wäre dem angehenden Hühnerhalter ein Infogespräch mit dem Tier- oder Geflügelarzt anzuraten. Dieser müsste immerhin auch die Meldung machen, wenn seine Diagnose steht. Das ist häufig nicht ganz einfach, da die Symptome auf mehrere Virenleiden deuten oder man nicht immer weiß, ob die Hühner überhaupt krank sind.

Vielfach sind zuerst nur einzelne Hühner infiziert und der Halter sieht es, wenn der halbe Bestand sich schon angesteckt hat. Häufig werden Symptome auch nicht auf eine meldepflichtige Virenerkrankung gedeutet und man wartet ein paar Tage ab. Da gerade Virenerkrankungen sich rasend schnell ausbreiten, wäre das die falsche Strategie. Wer als kleiner Hobbyhalter seinen Bestand riskieren kann, der soll dennoch die Symptome am Telefon schildern und die Tiere für ein paar Tage nicht mehr raus lassen. Diese können ansonsten möglicherweise Wildvögel anstecken, die dann wieder andere Geflügelbestände infizieren.

Wer als gewerblicher Halter nichts riskieren darf, der lässt den Geflügelarzt raus kommen oder bringt die nötigen Proben. Somit wären die Symptome der Neucastle-Krankheit den Symptomen einer klassischen Geflügelpest so ähnlich, dass letztendlich nur die Laboranalyse Gewissheit verschafft.

Kranke Hühner fressen weniger, trinken weniger oder auch mehr und legen weniger Eier. Wenn ein Huhn diese Symptome zeigt, aufgeplustert wirkt, sich von der Hühnerschar absondert und sich zurück zieht, dann wäre direkt ein prüfender Blick angebracht. Sind Kamm und Kehllappen dunkel angelaufen oder irgendwie abnormal? Läuft den Hühnern die Nase? Haben sie sehr dünnen Kot oder deformierte Eier? All das sind Hinweise auf ein krankes Huhn, es gibt nicht allein virale Erkrankungen oder Leiden.

 

Symptome der Newcastle-Krankheit, die auch atypischen Geflügelpest genannt wird und der aggressiven Vogelgrippe, die auch klassischen Geflügelpest genannt wird (nur durch Laboranalyse zu unterscheiden)

– Hühner legen kaum oder gar nicht
– Die Eier sind sehr dünnschalig oder haben keine Schale
– Futter wird kaum noch angenommen
– Durchfall, teils sogar blutig
– Temperatur bis über 42° Celsius
– Schleim auf Schnabel und Augen
– Atemnot
– Apathisches Verhalten
– Kamm und Kehllappen färben sich blau
– plötzlicher Tot vieler Tiere, bevor andere Symptome sichtbar werden

Frühreife Hühner können gegen die Newcastle-Krankheit ab dem 18ten Lebenstag geimpft werden. Die Impfung muss alle drei Monate wiederholt werden, für die Newcastle-Krankheit besteht eine Impfpflicht. Hält sich ein Hühnerhalter nicht daran, kann er möglicherweise bei einem Ausbruch in einem Geflügelbetrieb haftbar sein. Der Tierarzt muss die Impfungen also bestätigen. Die Impfung erfolgt über das Trinkwasser, alternativ einmal im Jahr per Nadel.

Einmal erkrankte Hühner können andere Hühner anstecken, da sie nur gegen den Erreger robuster werden, diesen aber noch in sich tragen. Auch geimpfte Hühner können infiziert werden und damit diese Virenerkrankung übertragen.

Nur zur Info: Eine gering pathogene Vogelgrippe befällt nur die Atmungs- und Verdauungsorgane und ist in ihrem Verlauf weniger schlimm. Sie wird teils nicht einmal bewusst bemerkt, ist unter gewerblichen Geflügelwirten dennoch gefürchtet. Einmal erkrankte Tiere sind häufig nicht mehr ganz so wirtschaftlich.

 

Symptome der Marek-Krankheit

Diese Erkrankung endet tödlich, weswegen infizierte Tiere sofort zu entfernen und zu schlachten sind. Der Stall wäre gründlich zu desinfizieren, damit nicht auch der restliche Bestand erkrankt. Der Halter müsste die Hühner über diese Zeit sehr gewissenhaft beobachten. Er erkennt erkrankte Hühner an Koordinationsstörungen. Es folgen Lähmungen. Wenn der Halter die Hühner etwas scheucht und diese nicht mehr so gut flüchten können, sind sie vermutlich durch die Marek-Krankheit befallen.

Die Küken können gegen die Marek-Krankheit ab dem ersten Tag geimpft werden. Sie sollen erst nach drei Wochen Quarantäne zurück in den Hautstall. Neben der Hygiene kann der Halter auch Hühner wählen, die weniger anfällig für diesen Virus sind. Asiatische Schläge, die noch sehr ursprünglich sind, wären meist weniger anfällig für die Marek-Krankheit.

 

Symptome der Infektiösen Laryngotracheitis

– schwache Legeleistung
– geschwollenes Gesicht
– schweres oder keuchendes Atmen mit blutigem Auswurf
– Schnupfen mit Nasenausfluss
– Entzündete Bindehäute
– Tod

Eine Impfung kann ab dem ersten Lebenstag über Augentropfen und Trinkwasser erfolgen. Sie soll bei frühreifen Hühnern in der 8ten Lebenswoche wiederholt werden. Die Hühner halten dem Virus stand, tragen ihn aber weiterhin in sich. Einmal befallene Hühner können damit weiterhin andere Hühner anstecken.

 

Symptome der Infektiösen Bronchitis

Einige der Symptome wie Atemgeräusche, blasse Eier von braunen Legestämmen, dünne oder deformierte Eischalen sowie geschädigte Nieren können ebenfalls auf das Egg Drop Syndrom, die Rhinotracheitis oder die Infektiöse Laryngotracheitis hindeuten.

Weitere Symptome wären:

– Wässeriges Eiweiß
– Die Brut- und Schlupfergebnisse sind miserabel
– Matte Apathie
– Durchfall
– Atmen bei offenem Schnabel
– Husten und Röcheln
– Klebrige Augen und Ausfluss aus Nasenlöchern
– Muskelschäden
– An Erschöpfung gestorbene Hühner

Gegen die Infektiöse Bronchitis können die Tiere mit Lebendimpfstoff über das Trinkwasser geimpft werden. Wenn doch einmal Hühner befallen waren, bleiben sie für immer mit den Viren infiziert und können andere Hühner anstecken. Die überlebenden Hühner könnten also weiter gehalten werden. Besser ist es, sie mithilfe vom Geflügelarzt zu erkennen und auszusondern, um den ganzen Stall gründlich zu desinfizieren.

 

Symptome vom Egg Drop Syndrom

Dieses Problem tritt praktisch nicht bei Weißlegern, sondern fast ausschließlich bei Braunlegern auf. Diese legen blasse Eier mit deformierten und dünnen Schalen. Das Egg Drop Syndrom ist eine Virenerkrankung, die vor allem Legehühner bei Beginn der Legereife befällt. Gesunde Legehühner stehen das in drei Wochen durch und werden dann ganz normal legen. Ein Infekt breitet sich im Bestand langsam aus. Das Egg Drop Syndrom lässt sich von der Infektiösen Bronchitis damit abgrenzen, dass das Eiweiß nicht verwässert ist. Die Legehennen können bei frühreifen Rassen in der 13ten Lebenswoche geimpft werden. Es kann auf die Impfung auch verzichtet werden, da die Hühner es fast immer durchstehen werden und im hygienischen Hühnerstall meist nicht erkranken.

 

Symptome der Aviäre Rhinotracheitis

Die oberen Atemwege der Hühner erkranken, dieses sind die typischen Auswirkungen der Aviräre Rhinotracheitis. Die oberen Kopfschleimhäute und der Sinus infraorbitalis können anschwellen. Die erkrankten Hühner sind teilnahmslos, verlieren schnell die Orientierung, neigen zu einer Schiefstellung vom Hals oder auch einen krampfartig nach hinten gezogenen Hals. Bei einem Befall erkranken mit Glück nur 10% der Hühner und weniger als 2% sterben. Die Hühner können den Virus unter guten Haltungsbedingungen meist in wenigen Wochen durch stehen. Es gibt inzwischen mehrere Impfstoffe. Frühreife Hühner können in der 13ten Lebenswoche geimpft werden.

 

Abschließend

Wer als Hobbyhalter nur ein paar Hühner im Garten laufen lässt, um frische Eier zu haben, der ist nicht immer von Fach und kann nicht hohen Aufwand in der Gefahrenabwehr betreiben. Vielfach werden Probleme fehl interpretiert oder erst spät erkannt. Neben einem viralen Befall können es auch Bakterienstämme, Milben oder andere Parasiten sein. Mit guten Haltungsbedingungen und laufender Hygiene können die meisten Hühnerleiden bereits umgangen werden. Dazu wäre ein Basiswissen für die Hühnerhaltung entscheidend, hier gibt es Grundlagenwissen.

Zudem ist es wichtig, nicht nur zu füttern, sondern die Tiere immer auch zu betrachten, damit ein krankes Tier möglichst schnell erkannt wird. Wer die Möglichkeit hat, sondert es direkt in einen anderen Stall aus, um eine drohende Ansteckung der noch vital erscheinenden Hühner zu erschweren. Möglicherweise sind diese auch bereits erkrankt. Deswegen ist es sehr wichtig, alles direkt mit kundigen Hühnerhaltern oder einem Geflügelarzt zu besprechen und möglichst vorab ein paar Fotos zu machen.

Zum einen sind kleinere Hühnerbestände meist vitaler und damit robuster. Zum anderen sind diese Hühner häufiger Gefahrenquellen ausgesetzt. Der Geflügelwirt hat seinen Geflügelstall immerhin mit Frischluftfiltern, Eingangsschleusen und anderen Vorsichtsmaßnahmen geschützt, die sich für den Hobbyhalter nicht sinnvoll umsetzen lassen.

Bei einem meldepflichtigen Vorfall gibt es oft die Keulungsanordnung, mit der gleich der ganze Bestand getötet wird. Sollte dieser auch ansonsten komplett eingehen, so wäre dem Halter anzuraten, den Hühnerstall gründlich zu reinigen, dann zu desinfizieren und möglichst einige Monate abzuwarten. Dann wird erneut desinfiziert, um erst dann neue Hühner aufzustallen. Es wäre zu schade, wenn diese direkt durch beständige Erreger wieder befallen wären. Wer einen Quarantänestall oder zweiten Hühnerstall hat, der nicht betroffen ist, kann auch hier direkt wieder neue Hühner aufstallen, wenn diese dank dem eingezäunten Hühnerauslauf räumlich zur anderen Stallung getrennt bleiben. Man selber hat auch darauf zu achten, die Erreger nicht von einer zur anderen Stallung hin und her zu tragen.

Mit Glück haben die Hühner keine meldepflichtige Virenerkrankung sondern andere Leiden, die sich beheben lassen, ohne dass ein Teil der Hühner verstirbt. Für viele Hobbyhalter sind es immerhin liebgewonnene Mitbewohner und nicht unpersönliche Wirtschaftstiere.

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